Grisocomodo
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Moto Guzzi Griso 850

Meine Bella


Die Griso war definitiv ‚Liebe auf den ersten Blick‘. Ich habe sie gesehen und wusste – DAS ist mein Moped. Ich habe sie dann auch bestellt, ohne jemals Probegefahren zu sein. Und ich habe das nicht eine Zehntelsekunde bereut.


Kaum ein Motorrad präsentiert den Motor wie die Griso.
Eine für mich betörende Kombination
von klassischer Zweiventiltechnik
und modernem Desgin.
Laufleistung 07/2007   75 km   :)


Dass es die 850er und nicht die 1100er wurde, entstand aus einer Gemengelage verschiedener Gründe (kostengünstiger, mit 75 PS für mich ausreichend motorisiert…). Aber vor allem fand ich den Ölkühler der 110er hässlich. Das Ding störte für mich die puristische Erscheinung durchgreifend.

Im Nachhinein war das ein guter Griff. Der 850er Zweiventilmotor ist vielleicht das ausgereifteste und ausgewogenste Triebwerk aus Mandello. Irgendwie scheinen Technik und Physik in einen goldenen Schnitt gebracht worden zu sein. Die deutlich zu Tage tretenden Unstimmigkeiten der 1100er Triebwerke, wie Konstantfahrruckeln und Drehmomentlöcher sind meiner 850er jedenfalls unbekannt.

Und so schnurrte meine Griso durch den Alltag und auf Touren durch Europa. Binnen sieben Jahren hatte sie dann auch rund 136.000 km auf der Uhr, ohne mich jemals im Stich gelassen zu haben. Und ohne, dass jemals in den Motor oder in den Antrieb eingegriffen worden wäre.


Laufleistung 07/2020 rund 140.000 km


Irgendwann einmal trat auf einer Heimfahrt, wenige Kilometer vor zu Hause, plötzlich ein Ereignis ein, dass sich für mich nach einem kapitalen Motorschaden anhörte und unübersehbar mit einem deutlichen Schmierstoffverlust einher ging.

Ich weiß gar nicht mehr genau wie es damals dazu kam, aber ich kümmerte mich gar nicht so sehr um die Instandsetzung, sondern folgte tatsächlich einem eher diffusen Verlangen ‚nach mal was Anderem‘. Laufleistungsbedingt erschienen mir auch höhere Instandsetzungskosten unverhältnismäßig. So habe ich dann insgesamt rund 100.000 km auf BMW F800GT, Ducati Supersport, Ducati Scrambler, BMW F850GS zurückgelegt. Allesamt waren das wirklich richtig gute Motorräder. – Aber ebene keine Guzzi.


Vor diesem Hintergrund nahm die alte Weisheit - eine Guzzi geht nie kaputt, sie bleibt höchstens stehen – zunehmend Raum in meinem Bewusstsein ein.


Und genau genommen war das bei meiner Griso ja nicht einmal der Fall. Sie hat mich schließlich, wenn auch ziemlich rumpelnd, tapfer nach Hause gebracht. Und was soll ich sagen? (Ich schreibe es, auch wenn es vielleicht etwas peinlich ist.) Das scheinbar zerstörerische Malheur entpuppte sich letztendlich als kaputte Zündkerze und havarierter Öldruckschalter…

Eine gründliche Inspektion (mit Teiletausch) später läuft meine Griso wie zuvor.
Im Grunde ist mit das denn dann doch nicht peinlich. Ich habe dem damaligen Verlangen nachgegeben und habe auf guten Motorrädern die Erfahrung gemacht, dass mir ein ‚nur‘ technisch gutes Motorrad nicht ausreicht. Es muss auch meine Sinne umschmeicheln - eben wie eine Guzzi.

Bei rund 145.000 km war dann tatsächlich zum ersten Mal ein Ersatzteil fällig. Ein neuer Anlasser musste her. Aber im Grunde könnte man das auch noch unter Verschleißteile buchen. Jedenfalls ist der Austausch dank der guten Zugänglichkeit kein Hexenwerk.

Da meine Jahresfahrleistung eher über dem Durchschnitt des bundesdeutschen Motorradfahrers liegt, und meine Griso noch lange halten soll, habe ich ihr für die Erledigung der vielen Alltagskilometer eine jüngere Maschine zur Seite gestellt.

Natürlich eine Guzzi. Natürlich eine 850er. Und natürlich habe ich sie ohne Probefahrt bestellt….

Mittlerweile hat sie sich auch auf ihrer ersten großen Tour bestens bewährt.

Der Link zur Bewährungstour.



Demnächst erscheinen hier noch Downloads von veröffentlichten Artikeln meiner Griso.



Text und Fotos Andreas Thier 02/2023